Ein Sohn des Volkes

ImageWiens Bürgermeister Dr. Michael Häupl mit Kindern des Gebärdenchors des Bundesintituts für Gehörlosenbildung. Den Kuchen aß das Stadtoberhaupt dann aber doch lieber alleine.

 

Vorgestern (13. September) habe ich erfahren, daß ich die Mutter des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl bin. Und das kam so:

Anläßlich des 63. Geburtstages des seit seit 1994 regierenden Wiener SPÖ-Landesfürsten brachte ihm eine Abordnung des Wiener Blasmusikverbands einen Tag vor dem eigentlichen Wiegenfest ein Ständchen dar. U. a. wurde auch der “Dr.-Michael-Häupl-Marsch” gespielt, eh klar, dirigiert vom Komponisten selbst, Prof. Dr. Volksschulabsolvent Hans Schadenbauer höchstselbst. Auch die Kinder des Gebärdenchors des Bundesinstitus für Gehörlosenbildung gebärdeten ein Ständchen, gesanglich unterstützt von nichtbehinderten Kindern. Als die letzten Töne des Liedes “Wir danken dir, daß du geboren bist”, verklungen waren, dankte das Stadtoberhaupt seinerseits für die musikalischen Glückwünsche, glaubte aber, anfügen zu müssen: “Nur eines: Dankts mir nicht dafür, daß ich geboren bin! Das ist einzig und allein das Verdienst … (hier schwenkte Häupl pathetisch beide Arme in Richtung aller Zuhörer) von Ihnen allen.” Ein echter Sohn des Volkes!

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Trari, trara, die Post ist verschwunden

So ziemlich jeder, außer vielleicht Leuten, die aus beruflichen Gründen nicht dürfen, hat einen Haß auf die Post. Das war früher, zu der Zeit, als die Post in allen Ländern eine nationale Behörde war, schon so, und warum sollte es ausgerechnet heute, da die Post allüberall als Privatunternehmen mit Restmonopol auftritt, besser sein? Alle haben sich längst daran gewöhnt, der Haß auf die Post gehört zum Leben wie die Angst vorm Zahnarzt.

Unvergeßlich ist für mich, wie ich 1988, also lange vor dem Internet, telephonisch eine Konzertkarte für Sinéad O’Connor in Stuttgart bestellte. Zu einem für mich als Studenten damals schier unerschwinglichen Preis. Bestellung und Bezahlung erfolgten ca. vier Wochen vor dem Konzerttermin. Geliefert wurde die Karte über eine Woche nach dem Konzert. Die gute alte Deutsche Bundespost hatte für die Bewältigung der ca. 40 km von Stuttgart bis zu meinem Briefkasten in Tübingen runde fünf Wochen gebraucht. Das Geld war futsch. Sinéad O’Connor habe ich seither nie mehr live zu sehen versucht, bis auf ihren Gastauftritt bei der merkwürdigen Berliner Wall-Show von Roger Waters 1990, aber das ist eine andere Geschichte. Ich war stinksauer und schrieb der Beschwerdestelle der Post einen Brief, in dem ich um Begleichung der Schadenssumme bat, unter Angabe meiner Bankverbindung. Ich schrieb extra, sie sollten mich mit dem rosa Formschreiben verschonen, in dem die Post enttäuschte Postkunden auf den Parapraphen 13 (wars der?) des Bundespostgesetzes zu verweisen pflegte, demzufolge der Postkunde keinen Anspruch auf Leistung hatte. Muß man sich mal vorstellen! Die Post hatte das verbriefte Recht, selbst frei zu entscheiden, ob sie liefern oder lieber einfach wegschmeißen oder mit heimnehmen wollte. Die Antwort der Deutschen Bundespost kam prompt, d. h. nach wenigen Wochen, und bestand – richtig – aus genau jenem rosa Formbrief, den ich ausdrücklich gebeten hatte, mir nicht zu schicken. Seit 1995 heißt der Laden Deutsche Post AG und funktioniert mehr oder weniger als Privatunternehen, allerdings nach wie vor mit etlichen Privilegien versehen. Manche Leute glaubten in der Euphorie der frühen Jahre von Neoliberalismus und Deregulierung tatsächlich, durch die Umwandlung der verschlafenen Behördenpost in ein Privatunternehmen würde alles besser. Ich wohne seit etlichen Jahren nicht mehr in Deutschland, und ich frage mich, ob der berüchtigte Postgesetzesparagraph tatsächlich jemals aufgehoben wurde. Jedenfalls ist es kein Geheimnis, dass das Filialennetz in Deutschland seither immer dünner geworden ist und die Brieflaufzeiten immer länger geworden sind. Falls die Sendung ankommt. Das Porto ist gleichzeitig natürlich um das Vielfache gestiegen.

Neoliberalismus, Deregulierung und Privatisierung sind ein weltweites Phänomen. Auch Österreich hat seit 1999 seine Österreichische Post AG, mit den wenig überraschenden Folgen Personalabbau und Leitungsverschlechterung, verbunden mit ständigen Portoerhöhungen. Unser Briefträger hier im Quartier ist ein netter Mann. Dasselbe gilt für den Leiter der Filiale um die Ecke (sie wurde wohl bei den bisherigen Schließungswellen übersehen). Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß die Österreichische Post AG ein erbärmlicher Saftladen ist. Tut mir leid. Wer etwas auf unerer Post erledigen will, sollte viel Zeit mitbrinen. 30 Minuten Warten in einer übellaunigen und übel riechenden Schlange frustrierter Globalisierungsverlierer (Wien, 15. Bezirk) sind die Regel. Wer vorne am Schalter ankommt und Briefmarken kaufen will, hat Pech. Die Post klebt nur noch teure, häßliche, weiße Freßzettel auf die dargebotenen Umschläge. Es gibt höchstens noch Sondermarken, aber nicht einzeln, sondern bestenfalls im Fünferpack.  Ein Standardbrief innerhalb Österreichs kostet derzeit 62 Cent, innerhalb des restlichen Europas 70 Cent. War die Idee nicht mal, daß das Porto europaweit für alle Postkarten und Standardbriefe gleich teuer sein sollte, egal ob das Ding national  oder in ins europäische Ausland verschickt wird? Einen Leistungsanspruch hat der Postkunde auch hier und heute offenbar nicht: Eine Lieferung des neuseeländischen Labels Flying Nun erreichte mich in komplett zerfleddertem Zustand, an zwei von vier Seiten war der Umschlag durchgehend aufgerissen. Drei CDs fehlten. Der freundliche Leiter der Postfiliale drängte mich, ein Formular auszufüllen. Der Schaden werde mir dann selbstverständlich umgehend ersetzt. Natürlich stellte es für die Post zunächst ein unlösbares Problem dar, Neuseeland-Dollar in Euro umzurechnen. Doch schon nach wenigen Extragängen aufs Postamt waren diese und weitere Fragen mehr oder weniger geklärt, und die Sache konnte ihren Lauf nehmen. Mittlerweile hatte ich netto schon einige Stunden in die Sache investiert. Nach etwa acht Wochen kam ein Formbrief von der Post: Wie ich denn auf die abseitige Idee käme, mir werde irgendetwas ersetzt, nur weil die Post meine CDs verschlampert hat? Ich erzählte es dem Filialleiter; der schaute erstaunt und lächtelte verlegen.

Jetzt aber kommt der eigentliche dicke Hund, der mich zur Tastatur hat greifen lassen:  Ich habe es immer schon geahnt, aber seit heute weiß ich es mit Sicherheit: Die Österreichische Post AG schmeißt Briefe einfach weg, wenn sie ihnen zu viel Arbeit machen. Ungefähr einmal im Monat finden wir in unserem Briefkasten Post, die nicht für uns bestimmt ist: falscher Name, falsche Adresse, alles falsch, trotzdem drin. In der Annahme, dies sei die einfachste Lösung, habe ich diese Fehlwürfe bisher immer einfach in den nächstbesten gelben Postkasten geschmissen. Die Post könne so beim zweiten Versuch einfach korrekt zugestellt werden, dachte ich. Falsch! Konversationshalber erzählte ich dem jungen Poster am Schalter heute von der Sache und frug ihn, ob meine in vielen Jahren erprobte Vorgehensweise eigentlich die richtige sei. Der Postler aber schüttelte den Kopf und erklärte: “Sehen Sie den orangenen, aufgedruckten Code da? Die Postkarte ist jetzt codiert, die kommt immer wieder zu Ihnen zurück, wenn Sie die einfach einwerfen.” Lieber Leser! Noch nie, noch kein einziges Mal ist eine solche Postsendung je ein zweites Mal in meinem Kasten gelandet! Dafür lege ich meine Hand ins Feuer! Wenn es stimmt, was der  Postler über die grundsätzliche Wirkungsweise der Codierung sagt, ist nur ein einziger Schluß zulässig: Die Sendungen wurden sämtlich einfach von der Post weggeschmissen. Wenn unser Haushalt repräsentativ ist, kommt also mindestens eine Postsendung pro Haushalt und Monat allein schon deswegen nicht an, weil sie im falschen Kasten landet und hinterher diskret entsorgt wird. Da fällt mir ein: Meine Frau erzählte mir mal vor Jahren, auch sie habe einen Fehlwurf an einem Postschalter abgegeben. “Ja, geben Sie dem den Brief doch einfach selber”, sagte der Postler zu ihr. “Ich kenne ihn aber nicht”, antwortete meine Frau. “Ja und, ich auch nicht”, sagte der Postler mit einem Achselzucken und warf den Brief in den Mistkübel. Eigentlich hätte mir damals schon alles klar sein müssen.

Wir alle kennen die Geschichten von mürrischen Postungeheuern hinterm Schalter, die Freude daran haben, die Postkunden durch ostentatives Bummel und Grummeln zu quälen, aber das ist ein Teil der europäischen Folklore, den ich gerne in Kauf nähme, wenn das teuer bezahlte Zeug wenigstens ankäme.

 

NACHTRAG:

Der lange Arm der Deutschen Post

Manchmal geht bei der Post wider Erwarten alles ganz schnell. Gerade sechs Tage nach obigem Blogeintrag vom 11. 1. erhielt ich eine schriftliche Antwort. Von der Deutschen Post AG, Dialog Marketing und ganz klassisch per Schneckenpost.

Hier der Wortlaut:

“Blogger arnohorb

Sehr geehrte Herr Löffler,

bei unseren Routinearbeiten im Web unserer Marketing-Abteilung hat heute ihr Kommentar zur Deutschen Post AG unsere Beachtung gefunden. Sie lassen sich über die DB AG ungehemmt aus, obwohl Sie ersichtlich seit Jahren im Ausland leben und keinerlei Erfahrung und gewissermaßen kein detailliertes Wissen über die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der DP besitzen. Wir erlauben uns Ihnen in der Anlage eine kurze Zusammenfassung der AGB zu senden. Nähere Informationen können Sie sich über das Internet organisieren.

Wir möchten kurz auf ein paar Punkte in ihrem Blog eingehen:

  1. Für die Bewältigung von 40 km bräuchten wir 5 Wochen. Wir stellen nicht jeden Brief einzeln zu. Ist ihnen bewusst, welcher Personalaufwand hierzu nötig wäre? Natürlich kommen alle Sendungen erst einmal in eine Zentrale, von der sie verteilt werden. Dies braucht Zeit. Hand aufs Herz, wie oft haben Sie ein wichtiges Formular verlegt? Dabei haben Sie täglich keine Tausende von Schriften zu bewältigen.
  2. Unsere Formulare sind Gelb (sic), genaugenommen Post-Gelb
  3. Der Paragraph 13 bezieht sich auf interne Disziplinarverfahren und hat zu Ihnen als Kunden keine Relevanz.
  4. Die Schwachstelle der Nichteinführung der europaweit einheitlichen Postwertzeichen ist kein hausinterner Fauxpas. Vielleicht haben auch Sie die falsche Partei gewählt.
  5. Die „zerfledderte“ Lieferung ihres Labels könnte in Neuseeland Schaden genommen haben. Geben Sie mal in eine Suchmaschine die Wörter „Neuseeland“ und „zerfleddert“ ein, dann bekommen Sie ein genaueres Bild über die Neuseeländische Post.
  6. Wir, die DP AG, werfen niemals, wir betonen niemals, eine Sendung fort. Eigens ausgebildete Agenten arbeiten unermüdlich daran, jegliche Post an seinen Herren zu bringen. Wenn es auch teilweise Jahre in Anspruch nimmt, den Empfänger zu ermitteln. Wie erklären Sie sich sonst die Phänomene, dass Sendungen noch nach 40 Jahren ihr Ziel erreichen? Weil wir niemals aufgeben.

Wir bitten Sie höflichst, in Zukunft keine irreführenden Begebenheiten der DP AG in Umlauf zu bringen. Wenn Sie schlechte Erfahrungen gemacht haben, lag es nicht an uns.

Als versöhnliches Händereichen erhalten Sie beiliegend eine Sondermarke.

 

Mit freundlichen Grüßen

Anlage

AGB Brief national

AGB Brief international”

 

Da der Brief keinen richtigen Absender trägt und ich auch nicht möchte, daß meine Antwort auf dem Postweg verschwindet, hier ein paar Bemerkungen meinerseits:

Liebe Sachbearbeiterin/lieber Sachbearbeiter,

Danke, daß Sie meinen Blog zur Kenntnis genommen und sich sogar die Mühe gemacht haben, für ihre eingehende Antwort eigens meine Wohnadresse in Österreich ausfindig zu machen. Mein ursprünglicher Blogeintrag vom 11. 1. richtet sich eigentlich gar nicht in erster Linie gegen die Deutsche Post AG, höchstens was die Privatisierung angeht. Insofern wundere ich mich, wie sehr er Ihnen nahezugehen scheint. Die von mir berichteten Erlebnisse standen in Verbindung mit der Deutschen Bundespost bzw. der Österreichischen Post AG.

So leid es mir tut: Die Sache mit der Sinéad-O’Connor-Karte hat sich just so zugetragen wie von mir geschildert. ich wollte, es wäre anders. Einerseits weigern Sie sich, mir zu glauben, daß die Deutsche Bundespost für die Übermittlung des Briefs fünf Wochen gebraucht hat, andererseits verweisen Sie selbst darauf, daß es mitunter auch schon mal 40 Jahre werden können, bis die Post liefert. Das ist nicht sehr konsequent. Ich weiß nicht recht, ob ich Ihren Verweis auf meine eigenen Schlampereien als weiteren Beleg für Ihre eingehende Recherchearbeit hinsichtlich meiner Person werten soll oder als reine Mutmaßung. Jedenfalls: Im Gegensatz zur Post, egal oder Deutsche Bundespost, Deutsche Post AG oder Österreichische Post AG, habe ich noch nie “ein wichtiges Formular verlegt”, für dessen sachgemäße Aufbewahrung und Beförderung ich mich habe bezahlen lassen.

Das Formular im Jahr 1988 war rosa und nicht post-gelb, da mache ich mit ihnen jede Wette!

Ich weiß nicht, welchen § 13 Sie meinen, aber ich meinte den § 13 PostG (nicht das Postgesetz von 1997, sondern jenes von 1972, ich rede ja von der guten alten Behördenpost, nicht von der neoliberalisierten Deutschen Post AG). Das war ich allerdings nicht ganz präzise: Der Haftungsausschluß war in § 11 I PostG geregelt, § 13 I definierte den postrechtlichen Verlustbegriff. Vgl. http://books.google.at/books?id=zVeXkdEvWFAC&pg=PA17&dq=postgesetz+bgbl+haftung+1972&hl=de&sa=X&ei=q4oVT8HRKMjc4QSB-PDvAw&ved=0CDoQ6AEwAA#v=onepage&q&f=false

Mit Ihrer Vermutung, ich hätte die falsche Partei gewählt, liegen Sie grundverkehrt. Das ist mir, soweit ich mich erinnern kann, noch nie passiert. Ihnen schon?

Was Ihre geringe Meinung von der neuseeländischen Post angeht, so kann ich diese nicht teilen. Zwar ist leider auch die neuseeländische Post heutzutage, unter dem Namen New Zealand Post Ltd., ein dereguliertes Wirtschaftsunternehmen, doch kann ich Ihnen versichern, daß ich mit der NZ Post Ltd. zwar schon oft zu tun, aber noch nie Probleme gehabt habe.

Dafür, daß manche Begebenheiten im Zusammenhang mit der Post “irreführend” sind, kann ich nichts. Ich behalte mir das Recht vor, solche Begebenheiten auch weiterhin “ungehemmt” “in Umlauf zu bringen”.

Für Ihre versöhnliche Handreichung möchte ich Ihnen recht herzlich danken. Nur konnte ich in dem Kuvert leider keine Sondermarke entdecken. Auch eine eingehende Untersuchung unserer Wohnung und des Stiegenhauses bis hinunter zum Briefkasten hat nicht das gewünchte Ergebnis gebracht. Entweder es handelt sich bei besagter Sondermarke um jene 45-Cent-Marke, die außen auf dem Kuvert klebt und beim Abstempeln vergessen worden ist, oder sie ist eben doch auf dem Postweg verlorengegangen. Aber ich gehe gerne nochmal runter und suche noch ein bißchen.

Mit freundlichem Gruß,

Arno Löffler

 

 

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De mortuis nihil nisi bonum

Watching tv footage of the mass hysterical manifestations of grief in North Korea I thought, well, maybe we underestimated Kim Jong Il all along and North Korea’s beloved leader really was quite a nice chap. The gargantuan amount of pictures published by the North Korean authorities that document Kim’s keen interest in his people’s well-being (Kim visiting a paper mill, Kim visiting a sausage shop, etc.) seems to corroborate that suggestion. Well, of course we all know or have heard about the downside of Kim’s rule: the camps, the mass starvation, the nuclear bomb, the disappearance of the North Korean national soccer team, the continued brainwashing of the population, the leader’s sun-glasses and jump-suits. And there is the unforgettable poster in my friend Annette’s former flat. It showed a North Korean hairdresser’s. At a table, a man was reading. Behind him, on the wall there were several, about ten, photographs of the heads of North Korean men that looked just like the reading one: black suit, playmobil haircut, some of them had the parting on the right, some on the left. The caption ran: “On the wall of this hairdresser’s in Pyongyang, there are photographs of all the officially permitted hairstyles.”
O, well. There’s one thing that can be said about Kim Jong Il though that’s definitely nice: he died (17/12/2011) in the temporal neighbourhood of Vaclav Havel (18/12/2011) about whom pretty much everybody said that he was a very nice man.
Vaclav Havel, the Czechoslovakian/Czech dissident-president, poet and Rolling Stones fan. When he became president after the Velvet Revolution my then girlfriend Dani even bought one of his books – and read it. What’s more, when Dani and I were in Prague for a four-week holiday in the hot and crazy, post-revolutionary summer of 1990 we learned that The Rolling Stones had been invited to play in Prague by Vaclav Havel himself. We went to the concert and it was great. First of all, Bill Wyman was still in the band. And it was rididulously cheap. I think admission was 200 crowns, in western money twelve measly marks. Something like that. For local standards that was still a lot of dough, mind, but everybody was aware the Stones weren’t making any money here. We also saw The Cure for eight marks by the way and some crazy Canadian art noisepop outfit whose name eludes me for three.
Anyway, the Stones were currently on their Urban Jungle world tour, and they had a mindbogglingly huge stage for the US leg of the tour and a slightly more modest one for the European shows. In order to show their respect for the Vaclav Havel and the Velvet Revolution the Stones especially had the American stage set-up flown to Prague for only one show! It was an outdoors event, of course, and it was raining cats and dogs. I remember a guy with an umbrella the size of a street café parasol elbowing his way all the way through the crowd that stretched from horizon to horizon. Inevitably, he hit everyone in his tracectory with his wet umbrella and blocked everybody else’s view. With the saddest facial expression imaginable, he apologized to every single one of his victims, wailing continuously “o, I’m so sorry!” as he elbowed along. The scene was so silly people didn’t even get seriously furious.
The following day, there was a picture of a happily beaming Vaclav Havel in the newspaper, wearing a leather jacket and a Stones t-shirt and putting his arms tightly around the grinning duo of Mick Jagger and Keith Richards. Well, the Germans had the bloody Scorpions who with “Winds of Change” delivered the soundtrack to the tumbling down of the Berlin Wall, the Czechs had Vaclav Havel and The Rolling Stones.
And where does that leave North Korea? We’ll see.

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Abstimmungs-Farce in Liechtenstein

PRESSEMITTEILUNG der Demokratiebewegung in Liechtenstein

 

 

Eine Machtdemonstration

Die Ankündigung des Erbprinzen, ein Volks-JA zur Initiative „Hilfe statt Strafe“ nicht zu sanktionieren, hat in einer Weise die Diskussion im Land beeinflusst, die nicht akzeptierbar ist.

 

Damit eines klar ist: Er kann laut geltender Verfassung von 2003 ein Gesetz sanktionieren oder nicht – auch wenn das Volk JA sagt. Solchem Tun hat das Volk 2003 explizit zugestimmt. Weil dies zutiefst undemokratisch ist, hat die Demokratiebewegung bereits damals dieser Verfassung 2003 nicht zugestimmt.

 

Anzukündigen, dass er ein Volks-JA nicht akzeptieren und ein solches Gesetz nicht sanktionieren werde, ist eine andere Bühne. Mit einer solch unnötigen Ankündigung wird jede Diskussion, jede Entscheidung beeinflusst. Man braucht sich nur im Facebook umzuschauen, um zu wissen, wie verunsichert auf diese Ankündigung reagiert wird. Eine solche Ankündigung hält die Demokratiebewegung für nicht legitim. Dass sich der Erbprinz zusätzlich noch einseitig in der Sachfrage äussert, macht diese Abstimmung zur Farce.

 

Dem Fürstenhaus war klar, dass eine solche Ankündigung seine Wirkung haben wird. Darüber brauchen wir uns nichts vorzumachen. Es ist doch eigenartig, dass sich der Erbprinz zur Frage des Gegenvorschlags vornehm zurückhält und eine mögliche Sanktion eines solchen Vorschlags offen lässt.

 

Diese Zurückhaltung ist auf jeden Fall angebracht, damit in Sachfragen frei und ohne Beeinflussung abgestimmt werden kann.

 

Vorstand der Demokratiebewegung

 

 

12.09.11

 

Mein Kommentar:

Eigentlich versteht dies alles ja von selbst. Ein (geschäftsführendes) Staatsoberhaupt, das seiner Aufgabe nicht nachkommen kann, die auf demokratischem Wege beschlossenen und verfassungsgemäß zustandegekommenen  Gsetze zu unterzeichnen, müßte eigentlich die Konsequenz ziehen und zurücktreten. Daß die Verfassungsänderung von 2003 dem Fürsten bzw. Erbprinzen das Recht, die Unterschrift zu verweigern, explizit zubilligt, ist eine unschöne Tatsache, die sich das Liechtensteiner Abstimmungsvolk selbst zuzuschreiben hat. “Erfolgt die Sustimmung des Landesfürsten nicht innerhalb von sechs Monaten, dann gilt sie als verweigert”, heißt es in Art. 65 der geänderten Landesverfassung zur Gesetzgebung. Das Fürstenhaus argumentierte damals, die Neuformulierung diene lediglich der Präzisierung, denn selbstverständlich könne der Fürst auch so seine Unterschrift verweigern.

Das ist gar nicht so falsch. Entscheidend ist, wie vom Europarat, der damals über Liechtenstein angesichts der Verfassungsänderung beinahe ein Monitoringverfahren verhängt hätte, letztlich die Verfassungspraxis. Denn auch in anderen eropäischen Monarchien zwingt kein Passus eines Verfassungstextes den Monarchen, seine Unterschrift zu leisten. Daß er dennoch unterschreibt, hängt schlicht damit zuammen, daß sich die europäischen Monarchien selbstverständlich als Demokratien begreifen. In Großbritannien etwa nennt man solche ungeschriebenen Verfassungspflichten “constitutional conventions”. Jedem in Großbritannien ist klar, daß die Königin ihren Platz räumen müßte, würde sie einem ordentlich zustandegekommenen Gesetz ihre Unterschrift verweigern.

In Belgien erklärte sich der sehr religiöse, katholische König Balduin I. 1990 für außerstande, ein Gesetz zur legalen Schwangerschaftsunterbrechung zu unterzeichnen. Die schwere Verfassungskrise wurde so gelöst, daß das Parlament den Monarchen am 4. April für einen Tag für regierungsunfähig erklärte. In seinem solchen Fall sieht die belgische Verfassung vor, daß die Regierung die Funktion des Staatsoberhauptes übernehmen kann. Nachdem sämtliche Regierungsmitglieder das Gesetz unterschrieben hatten, kehrte der König am 5. April an seinen Arbeitsplat zurück. So konnten alle Beteiligten ihr Gesicht wahren.

Die Parallele zur Situation in Liechtenstein ist offensichtlich. Die Unterschiede sind es aber auch. Die Art und Weise, wie Erbprinz Alois im Vorfeld der Abstimmung Druck auf die Öffentlichkeit ausgeübt hat, ist unerträglich. Seine Weigerung vorab, das Gesetz zur Fristenlösung in der von der Initiative “Hilfe statt Strafe” vorgelegten Form zu unterschreiben, kommt der De-fact-Abschaffung der Demokratie in Liechtenstein recht nahe. Auch wenn die Abstimmung so ausfällt, daß der Erbprinz gar nicht in die Verlegenheit käme, ist der Schaden für die Demokratie dennoch derselbe. Man könnte von einem Staatsstreich von oben sprechen. Art. 2 der liechtensteinischen Landesverfassung definiert das Fürstentum Liechtenstein übrigens als “konstitutionelle Erbmonarchie auf demokratischer und parlamentarischer Grundlage”. Werden die demokratischen Mechanismen mit Berufung auf Art. 65 ignoriert, ist dies verfassungsmäßig durchaus problematisch.
Dazu kommt, daß an der religiös-moralischen Prinzipienfestigkeit des eine Liberalisierung der Abtreibung ablehnenden, katholischen Erbprinzen gezweifelt werden muß, wenn er die Möglichkeit signalisiert, dem karnevalesken “Kompromißvorschlag” von VU und FBP zuzustimmen, demzufolge im Ausland vorgenommene Abtreibungen sehr wohl legalisiert werden könnten.

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My own private 9/11

Those people who remember were they were and what they were doing when they heard the news that U. S. President John F. Kennedy had been shot are dying out. I surely have no recollection of that Friday, 22 November, 1963. I wasn’t even born then. Ten years after “9/11”, the day Al Qaida took out the WTC twin towers in New York City using two passenger planes as cruise missiles one might want to ask oneself whether it’s time to grant “9/11” the place in public memory hitherto taken by Kennedy’s assassination. Who was that Kennedy bloke anyway? He was the guy that started the Vietnam War, he almost started Word War III over he Cuba Crisis, and he cheated on his wife Jackie, none of which was a nice thing to do. Good riddance.

“9/11”, however, and what happened in its wake however, harmed or killed a lot of people, some of whom were possibly a lot nicer than “JFK” and a lot of whom were certainly more innocent. Besides, that day has had an impact on our world we all feel to this day. Maybe Porsche owners are the least affected. The German sports car manufacturer almost changed the name of their most successful model, but eventually they decided against it. Right, so that’s established. “9/11” it is.

So, were were you that day, ten years ago? I know were I was. I was in Vienna. The Austrian capital is many a mile away from Ground Zero, nonetheless the Austrians seemed to be overeager to prove their little country was the real target of the terrorist attack. The expert panels on national tv station ORF were all agreed on that: Austria was the real victim. Well, or it might have been. Easily. Which seemed to be the same. First their innocent, hardy little country got victimised by the Nazis in 1938 (not really), now Al Qaida had done the same! Well, yeah, not really, o yes, almost. On tv they were counting the Austrians who had died in the twin towers. The thing is, the total figure was really mindbogglingly large only minutes after the attack, but it kept dwindling the more it was updated until finally – were there any Austrians dead at all? I don’t remember. What I do remember is that Niki Lauda, ex-formula 1 racing driver and ex-airline owner, was an ubiquitous expert on all those ORF panels at the time; whether that was due to the fact he was not only a former airline owner but also a trained airplane pilot (like the Quida terrorists) and possibly knew a thing or two about how to fly a big Boeing into a tall building or because he most certainly knew a thing or two about how to crash very fast objects into static structures in general since his fateful car crash in Nuremberg, 1976, remains a mystery to me. Of course he didn’t know what to say, just like all the other “experts” on those panels, by the way.

The most freaky tv item on the terrorist attack I remember was, however, not another expert panel but an interview with some manager who happened to have his office high up on the recently opened Millenium Tower, then and now Vienna’s tallest building. He was talking as if it hadn’t been the WTC in New York but the measly Millenium in Vienna that had been hit by two planes. After blabbering on for a while he suddenly seemed to realize he had been fantasising and he concluded his considerations saying something along the lines of, o, well, when I look down and see the passing metropolitan train I can’t help thinking what if some terrorists hijacked that train and crashed it into the Millenium Tower? Not to imagine what would happen! – I’m not making this up, that’s what the guy said! And of course there was extensive coverage of the “World Trade Center” at Vienna International Airport, an unspectacular office building that happened to have the same name. Quite surprisingly, Vienna’s modest namesake of the WTC gone up in flames and then collapsed was still standing! Had the terrorists just got the address wrong? Was the WTC in Vienna the real target bound to be hit any minute now? I’m sure many people believed that. Well, maybe it’s not a coincidence that the building was renamed “Office Park 3” in 2007.

And of course, I was  a “9/11” victim, too. I had lost my job in Germany (was Al Qaida behind this too? I wouldn’t be surprised!) and had moved into the little room my then girlfriend (who later became my wife) had in a flat she shared with three other girls in the Second District. One of her flatmates called us into the kitchen where they had an old tv set balancing on top of the fridge. Fancy that, she shouted, a plane just hit the World Trade Center in New York! We gawped and we giggled, yes, we giggled, because what we saw seemed so unreal and also because we got the time wrong and we first thought it had happened in the wee hours when there was no-one about. But what about the pilot? And, er, what kind of plane was it? – O, fuck! And the full extent of the disaster dawned upon us. Then the second plane hit. No, I don’t think I saw it live, I must have been in the loo or something. O, fuck! indeed. Then it was time for me to go. I had an appointment in a shared flat in some other part of town where I had been invited to introduce myself to everybody. My plan was to charm them and make them welcome me into their midst as a new flatmate. When I arrived they were all sitting in the kitchen as planned, but of course, their telly was on, too, and they couldn’t have cared less about my presence. I might just as well have jumped up and down in the nude screaming obscenities, I don’t think anyone would have noticed. I bet if you ask them today they won’t recall any visitor inquiring about a room that day. They told me they’d get back to me, but of course they never did.

Eventually, a few days later, I did find a room in another flat I shared with an extremely weird bunch of people, as opposed to the relatively civilised people that ignored me on “9/11”. I blame Al Qaida .

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Dauerfeuer von Kalauern und Action

Das Rotkäppchen-Ultimatum 3D (Originaltitel:

Filmplakat "Hoodwinked Too".

Hoodwinked Too! Hood VS. Evil)

Regie Mike Disa Start 21.07. (A + D)

Was einmal geht, geht auch zweimal: Wie im Vorgänger “Die Rotkäppchen-Verschwörung” schießt in diesem Computeranimations-Popcorn-Film ein Dauerfeuer von Kalauern und Action diverse Märchenfiguren durch eine bescheuerte Handlung. Natürlich in 3D. Die Verfremdung der Figuren gegenüber den Märchenvorbildern ist teils sehr lustig. Damit Erwachsene auch zu lachen haben, sind Actionfilmzitate eingebaut. Die Moral die übliche: zusammenhalten und nie aufgeben! Nur anschauen, wenn man einem Kind einen Gefallen schuldet!

(4/10)

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Comet Gain: Howl Of The Lonely Crowd

Comet Gain

Howl Of The Lonely Crowd

(Fortuna Pop!)

David Feck und Comet Gain machen seit zwei Jahrzehnten wundervolle, sehr englische Musik. Ihr erstes Album mit neuem Material seit 2005 zeigt, dass sie immer noch klasse sind. Beeinflusst von Northern Soul, Go-Betweens, Dexys Midnight Runners, TV Personalities und The Jam, wird die Band ihrerseits von den Cribs als Vorbild genannt; Cribs-Gitarrist Ray Jarman hat den facettenreichen Tonträger mit Edwyn Collins auch produziert. „Clang Of The Concrete Swans“ ist ein ungestümer Opener mit wildromantischen Bildern wie „let their howling hearts be heard“. Rachel Evans erweist sich auf „The Weekend Dreams“ als prima Vokalistin. „Beautiful won’t save your life and beautiful will make you cry, beautiful will only try to drag you down”, singt Feck in “She Had Daydreams”, und Erinnerungen an Nikki Sudden bzw. Swell Maps werden wach.

(9/10)

Comet Gain: Howl Of The Lonely Crowd

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